DIE NEUE "SCHIEDSRICHTER-ZEITUNG" IST ONLINE

Die neue Ausgabe der Schiedsrichter-Zeitung ist ab sofort auf DFB.de abrufbar und enthält auch in ihrer sechsten Ausgabe des Jahres viele interessante Inhalte. Das Titelthema beschäftigt sich mit einer neuen Form des Coachings. Zudem gibt es ein Interview mit Florian Meyer.

Darüber hinaus findet sich im Heft ein Blick auf die Quiz-App für Schiedsrichter. Außerdem spricht Christine Baitinger über Entwicklungen im Frauen-Bereich. Und in der Rubrik "Lehrwesen" geht es diesmal um das Thema "Distanzen im Regelwerk".

 

Ein Blick in die aktuelle Ausgabe lohnt sich - nicht nur für Unparteiische.

FAIRPLAY IM VIDEO: ROTE KARTE ZURÜCKGENOMMEN!

In der Partie Hamm gegen Hassel nimmt der Schiedsrichter nach Rückfrage bei den beteiligten Spielern eine Rote Karte zurück. Ex-Nationalspieler Thomas Brdaric hat sein Trainerteam bei Tennis Borussia Berlin komplettiert. Beim TSV Schwabmünchen coacht der Vater nun seinen Sohn und mehr - hier das Wichtigste aus Deutschlands Oberligen.

Rote Karte zurückgenommen: „Das erlebt man in der Oberliga Westfalen nicht alle Tage“, sagt Sascha Erbe, Trainer beim SC Hassel , gegenüber FUSSBALL.DE . Schiedsrichter Bastian Börner (Iserlohn) hatte im Spiel der Gelsenkirchener bei der Hammer SpVg (0:3) die Rote Karte gegen Hassels Abwehrspieler Tolgahan Capakli zurückgenommen. Was war passiert? Capakli sollte nach einer Grätsche gegen HSV-Angreifer Mike Pihl, die Börner als Notbremse wertete, des Feldes verwiesen werden. Der 23-Jährige beschwerte sich und beteuerte, den Ball gespielt zu haben. Diese Aussage bestätigte auch Gegenspieler Pihl, so dass Schiri Börner nach Rücksprache mit seinem Assistenten - die Unparteiischen waren mit einem Headset verbunden - die Entscheidung zurücknahm und die Partie mit einem Schiedsrichterball fortsetzen ließ. Zu diesem Zeitpunkt führte Hamm bereits 3:0. „Ich habe mich mehrfach bei Pihl bedankt. Durch seine faire Geste hat er einen meiner Spieler vor einer vielleicht vierwöchigen Sperre bewahrt“, sagt der 44-jährige Erbe.


Bibiana Steinhaus als Vorbild

Am Sonntag wird Bibiana Steinhaus als erste Schiedsrichterin ein Fußball-Bundesligaspiel leiten: Hertha BSC Berlin gegen Werder Bremen. FIFA-Schiedsrichterin Karoline Wacker (Marbach) freut sich über die Entwicklung ihrer Kollegin.

Seit dieser Saison darf Bibiana Steinhaus Spiele in der Fußball-Bundesliga leiten. Damit ist sie die einzige Schiedsrichterin in den europäischen Top-Ligen der Männer und deshalb ein Vorbild für viele weibliche Vertreter ihrer Zunft. Auch für Karoline Wacker. Die 26-jährige Schiedsrichterin aus Marbach ist die beste ihrer Zunft in Württemberg. Seit 2014 pfeift sie Spiele der Frauen-Bundesliga, seit 2017 ist sie FIFA-Schiedsrichterin. "Bibiana Steinhaus hat sich durch sehr gute Leistungen für diesen Schritt empfohlen. Außerdem bringt Bibiana seit Jahren eine hohe Einsatzbereitschaft für unser Hobby mit - ein Grundstein für den Aufstieg", sagt Wacker über die 38-Jährige.

"Ein Mensch mit vielen Facetten"

Wacker hat Bibiana Steinhaus in vielen Spielen an der Seitenlinie als Assistentin unterstützt und erinnert sich gerne an alle gemeinsamen Einsätze zurück. Wacker war stets beeindruckt über die "Zielstrebigkeit, mit der sie Dinge angeht und Aufgaben bewerkstelligt". Dabei sei sie jederzeit "sehr sympathisch" und offen".

Bundesliga-Trainer über Bibiana Steinhaus:

Julian Nagelsmann (1899 Hoffenheim): "Ich freue mich. Das Geschlecht an sich ist ja kein Qualitäts-Merkmal. Auch wenn wir Männer manchmal beim Autofahren hoffen, dass es so ist."

Alexander Nouri (Werder Bremen): "Wir sind es von zu Hause gewohnt, nach der Pfeife einer Frau zu tanzen. Im Ernst: Sie hat sich das verdient. Durch sehr gute Leistungen - und das ist am Ende entscheidend."

Entscheidende Schritte

Karoline Wacker sieht Steinhaus als "Vorbild für viele Schiedsrichterinnen, in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern". Auf persönlicher Ebene freut sie sich sehr für ihre Kollegin, da der Aufstieg in die Bundesliga ein sehr bedeutender Schritt ist. Doch auch Wacker hat in der vergangenen Saison entscheidende Schritte in ihrer Schiedsrichterlaufbahn gemacht.

Die 26-Jährige ist Anfang des Jahres zur FIFA-Schiedsrichterin ernannt worden. Darüber hinaus darf sie im Herrenbereich seit dieser Saison Spiele bis zur Regionalliga leiten. Für die Schiedsrichterin der Gruppe Backnang ist die "oberste Priorität, in der Liga anzukommen", da sich das Tempo gegenüber der Oberliga gesteigert hat. "Damit muss man lernen umzugehen", sagt Wacker. Spiele wie im April 2016, als sie Bibiana Steinhaus vor 20.000 Zuschauern im Champions-League-Halbfinale der Frauen assistierte, könnten in dieser Saison auch als Hauptschiedsrichterin auf sie zukommen.

Neue Herausforderungen

Wacker freut sich auf die Herausforderungen, die dort auf sie warten. Sie vergisst aber gleichzeitig nicht, an die Basis zu denken. "Mädchen und Frauen genießen flächendeckend eine gute Unterstützung in den Schiedsrichtergruppen. Durch gut entwickelte Talentförderkonzepte wird man auf Verbandsebene schon früh auf die einzelne Schiedsrichterin aufmerksam", sagt Wacker. Nun hofft sie, "dass sich durch Bibianas Entwicklung die eine oder andere für einen Neulingskurs anmeldet."

 

Originalartikel von Tobias Faißt


Das besondere Fairplay von Steffen Wohlfarth

Er verschießt einen Elfmeter und wird damit zum Held des Spiels. Bei einer Oberliga-Partie des FV Ravensburg drehte sich am Ende alles um Kapitän Steffen Wohlfarth. Jetzt ist er heißer Kandidat für den Fairplay-Preis.

Eine knappe Stunde lief alles normal im Spiel der Aufstiegsaspiranten Ravensburg und Bissingen. Dann kam die 59. Spielminute und mit ihr eine Ecke für die Gastgeber: Die Ecke wird in den Strafraum geschlagen, Bissingens Alexander Götz stoppt den Ball und bemerkt, dass der Ball keine Luft mehr hat. Mit dem Ball kann nicht mehr weiter gespielt werden, denkt sich Götz, und nimmt ihn in die Hand. Ein verhängnisvolles Missgeschick, denn Schiedsrichter Luigi Satriano sieht das Handspiel und entscheidet auf Strafstoß für Ravensburg. "Der Schiri hat mich ganz verdutzt angeguckt", sagt Götz, "in diesem Moment war das für mich ein richtiger Schock."

Steffen Wohlfarth scheitert mit Absicht

Zu diesem Zeitpunkt führt Ravensburg knapp mit 1:0, der Elfmeter ist die Chance, für die mögliche Entscheidung im Spiel zu sorgen. Doch einer spielt dabei nicht mit: Steffen Wohlfarth. Der frühere Spieler der Amateurmannschaft des SC Freiburg hatte gesehen, dass der Ball geplatzt war, als Alexander Götz den Ball mit dem Stollen getroffen hat. Wohlfarth lief daraufhin zum Schiedsrichter, um sich zu erkundigen, was jetzt passiert. Der Unparteiische teilte ihm mit, dass es Elfmeter geben werde. "Es blieb nicht viel Zeit zu überlegen", erinnert sich Wohlfarth im SWR-Gespräch. "Da habe ich mich entschlossen, den Ball neben das Tor zu schießen."

 

"So fair bin ich nicht immer"

Also läuft er an und schießt den Ball absichtlich am Tor vorbei. Eine extrem faire Aktion, findet Bissingens Pechvogel Alexander Götz: "Ich glaube, das hätte nicht jede Mannschaft gemacht. Diesen Strafstoß absichtlich zu verschießen, das ist schon ganz großes Fairplay." Steffen Wohlfahrt muss kräftig schmunzeln, als er gefragt wird, ob er immer so ein fairer Typ sei. "So fair bin ich nicht immer", gibt er ehrlich zu. "Es tut mir natürlich auch weh, freiwillig am Tor vorbei zu schießen. Keine Ahnung, was mich dazu bewegt hat. Vielleicht war es Mitleid mit dem gegnerischen Spieler. Ich habe mich einfach aus der Situation heraus dazu entschieden."

Hit im Internet

Und wenn seine Mannschaft zum besagten Zeitpunkt in Rückstand gelegen hätte? Wohlfarth, diese ehrliche Haut, zeigt auch hier klare Kante: "Ich glaube, dass ich in diesem Fall nicht so fair gehandelt hätte." Seine Fairplay-Aktion entwickelte sich im Internet rasend schnell zum viralen Hit. Der Ravensburger Kapitän erhielt zahlreiche Reaktionen auf seinen verschossenen Strafstoß. "Freunde haben mir im Spaß geschrieben, dass sie es von mir nicht gewohnt bin, dass ich so ein fairer Sportsmann bin", erzählt er augenzwinkernd.

Für Fairplay-Medaille im Gespräch

Wohlfahrts Fairplay wurde am Ende doppelt belohnt. Seine Aktion ist bundesweit in aller Munde. Und: Ravensburg gewann das Spiel trotz des verschossenen Elfmeters noch mit 2:0. Für Steffen Wohlfarth könnte die Partie ein weiteres erfreuliches Nachspiel haben. Im Internet haben Fans angekündigt, den Ravensburger für die Fairplay-Medaille des Württembergischer Fußballverband (wfv) vorzuschlagen. Für Alexander Götz vom FSV 08 Bissingen gab es dagegen gut gemeinten Spott von Mitspieler-Seite für sein Handspiel: "Die haben mich auf der Heimfahrt gefragt, ob ich beim nächsten Torwarttraining dabei bin. Aber damit kann ich leben."